Luxus – Ein (Arbeits-)Leben in Shanghai 上海.

Einige von Euch fragen sich, was ich hier so den ganzen Tag mache. In erster Linie natürlich arbeiten, denn deswegen bin ich ja hier. Aber daneben genieße ich auch ein wenig den Luxus, der hier auf mich hereinprasselt. Früh geht es schon beim Frühstück los. Da habe ich meistens eine Bedienung für mich alleine, die ständig irgendwo in der Nähe herumgeistert. Sie ist unter anderem dafür zuständig, mir den Stuhl an den Tisch heranzurücken und wenn ich aufstehen möchte auch wieder wegzurücken. Außerdem bekomme ich auf Wunsch Kaffee und Zeitung gebracht. Das war am Anfang doch sehr gewöhnungsbedürftig, aber macht jetzt Spaß. Auch für das Abräumen leeren Geschirrs habe ich jetzt die lokalen Regeln gelernt. Eine leere Tasse mit normal aufgelegtem Löffel heißt zum Beispiel: sofort nachfüllen. Was auch prompt passiert. Mit umgedrehtem Löffel heißt es, weg damit. Was ebenfalls prompt erledigt wird. Alles andere darf ich mir zum Glück am Buffet selbst zusammenstellen, wobei dieses aus Frühstück, Mittag und Abendessen gleichzeitig besteht. Nutzen tue ich das aber nicht, ich beschränke mich auf europäische/deutsche Gewohnheiten.

Wenn ich so gegen 6 ins Hotel zurückkomme, dann ist schon alles ordentlich aufgeräumt, das Bett ist gemacht, der Teppich gesaugt, neue Handtücher liegen da, die Schuhe sind frisch geputzt und um das Schrubben der Dusche muss ich auch nicht mehr kümmern. Außerdem sind meine Badeutensilien schön der Reihe nach geordnet und der Bademantel hängt wieder frisch gewaschen an seinem Platz. Dann gehe ich erst einmal Abendessen. Meistens bin ich zu faul, um noch lange herumzulaufen und gehe gleich neben dem Hotel in ein Einkaufszentrum. Dort gibt es einen ‚Food Court’ oder auf gut Deutsch eine Fressmeile. Dort habe ich die Auswahl aus ungefähr 20 kleineren Restaurants bzw. Kochständen, die rund um einen großen Essbereich angeordnet sind. Alle Restaurants haben Ausstellungsstücke der Gerichte vorrätig und man kann einfach auf eines zeigen, das essbar aussieht. Meistens findet sich so auch etwas Leckeres, gestern zum Beispiel gab es Huhn (mal endlich ohne Knochen!) mit Ingwer. Das werde ich bestimmt noch mal essen.

Zurück im Hotel schreibe ich dann manchmal noch ein paar Sachen auf, zum Beispiel diesen Text hier. Oder ich skype durch die halbe Welt. Vor dem Schlafengehen fahre ich dann oft noch mit dem Fahrstuhl ins Fitnessstudio oder direkt ins Schwimmbad, um 20 Minuten lang ein paar Runden zu drehen. Meistens bin ich alleine dort, so dass ich fast immer meinen privaten Bademeister bzw. meine private Bademeisterin habe. Die passen dann die ganze Zeit schön auf, dass ich nicht untergehe. Da der Fahrstuhl direkt am Schwimmbad hält, kann man gleich vom Hotelzimmer aus im Bademantel aufbrechen, sehr praktisch. Wenn ich nach dem Schwimmen noch nicht müde genug bin, setzte ich mich auch noch ein paar Minuten in die Sauna oder lasse mich im warmen Whirlpool vollblubbern. Danach ist es dann aber wirklich genug und es wird Zeit, mich in mein Kingsize-Bett fallen zu lassen, dass ich vor dem Schlafen erst mal von einem Großteil seiner sechs Kissen befreien muss.